Das Immundefizienzsyndrom der Katzen (auch Felines
erworbenes Immundefizienzsyndrom, umgangssprachlich „Katzen-Aids“, englisch
Feline Acquired Immune Deficiency Syndrome - FAIDS) ist eine virale
Infektionskrankheit von Katzen. Der Erreger schwächt das Immunsystem und löst
Folgeerkrankungen aus, die zum Tode führen können. Das Virus ähnelt damit dem
Erreger der HIV-Infektion beim Menschen, ist aber für den Menschen
ungefährlich.
Erreger
Der Erreger ist das Feline Immundefizienz-Virus (abgekürzt
FIV) aus der Gattung der Lentiviren. Es werden nach Unterschieden der Proteine
in der Virushülle fünf Untertypen (A-E) unterschieden, wobei in Nordeuropa Typ
A, in Südeuropa Typ B vorherrschen.
Die Hauptübertragung erfolgt vermutlich über Bisse. Katzen können das Virus
bereits im Mutterleib auf die Feten übertragen. Eine Infektion von Katzenwelpen
über Kolostrum und Muttermilch ist ebenfalls möglich. Das Virus kann in
Speichel, Blut und Liquor cerebrospinalis nachgewiesen werden.
Vorkommen
Der Erreger kommt weltweit vor, etwa 1-30 % (bis 8 %) der
Katzenpopulation sind infiziert. Die verschiedenen FIV-Stämme infizieren alle
Katzen und alle Altersgruppen, klinisch tritt die Erkrankung zumeist bei Tieren
älter als fünf Jahren in Erscheinung. Eine Infektion hält lebenslang an.
Isoliert gehaltene Hauskatzen, ohne Kontakt zu Artgenossen, sind kaum
gefährdet. Zur Hauptrisikogruppe gehören vor allem ältere Freigängerkater mit
ausgeprägtem Revierverhalten in Umgebungen mit hoher Katzendichte, da sie häufiger
in Kämpfe verwickelt werden. Der normale soziale Kontakt zwischen Katzen führt
nicht zu einer Ansteckung.
Übertragung
Das Virus kann in Speichel, Blut
und Liquor cerebrospinalis nachgewiesen werden. Die
Hauptübertragung erfolgt vermutlich über Bisse. Diese Vermutung wir gestützt
durch die Beobachtung, dass die Seropositivität mit dem Alter der Katzen
zunimmt. Es wurde experimentell bestätigt, dass Katzen das Virus bereits im Mutterleib
auf die Feten übertragen können. Eine Infektion von Katzenwelpen über Kolostrum und Muttermilch ist ebenfalls möglich. Diese Frequenz
dieser Übertragungen schwankt jedoch mit verschiedenen FIV-Stämmen und ist in
der Gesamtbetrachtung eher die Ausnahme als die Regel. Die
"horizontale" Übertragung ist wesentlich wichtiger als die vertikale.
Pathogenese und Symptome
Nach einer Erstinfektion produziert die Katze sofort
Virus-spezifische Antikörper und zytotoxische
T-Zellen, ist jedoch trotz der heftigen Immunreaktion nicht in der Lage, die
Infektion vollständig zu überwinden, und das Virus verbleibt in allen bisher
untersuchten Fällen dauerhaft im Körper. Die Primärinfektion zeigt sich in
Fieber, Neutropenie und Lymphadenopathie. Von diesem
Übergangsstadium erholen sich die Tiere meist rasch und die Krankheit kommt
scheinbar für mehrere Monate zum Erliegen. Während dieser Zeit nimmt die Zahl
der CD4-positiven Zellen im Blut stetig ab. Das
Verhältnis von CD4- zu CD8-positiven Zellen verschiebt sich, und es kommt zu
Fehlfunktionen der B- und T-Zellen. Im weiteren
Verlauf hat FAIDS keine eindeutigen Symptome, da sie teilweise durch
Sekundärinfektionen infolge der Immunschwäche geprägt ist. Erst etwa sieben bis
neun Jahre nach der Infektion werden die ersten Aidsartigen Symptome sichtbar.
Dadurch, dass FIV auch Zellen des Nervensystems wie Gliazellen und Astrozyten infizieren
kann, kommt es teilweise zu neuropathogenen Symptomen wie verzögerten
Reaktionen, vorübergehenden Lähmungen, Verhaltensänderungen und Anisokorie.
Je nach Stadium der Erkrankung treten weitere Symptome auf: schlechtes Fell,
Fieber, Durchfall, Verhaltensstörungen infolge einer
Enzephalopathie, chronische Entzündungen
(Bindehaut-, Zahnfleisch-,
Maulschleimhautentzündungen), starke Gewichtsabnahme, Appetitlosigkeit
(Inappetenz) und Schwellungen der Lymphknoten. Der
zeitliche Verlauf der Erkrankung hängt auch von den FIV-Subtypen ab. Bei
manchen pathogeneren Stämmen sterben 5 bis 25% der
Hauskatzen innerhalb eines Jahres.
Diagnose
Aufgrund des sehr variablen klinischen Bildes kann eine
Diagnose nur durch serologischen Nachweis der Antikörper (theoretisch auch
durch eine Virusisolation) erfolgen. Wegen des möglichen Vorhandeseins
kolostraler Antikörper sollten Jungkatzen im Alter von 6 Monaten erneut
getestet werden.
Der ELISA-Test kann falsch-positive Ergebnisse bringen, weshalb eine
Verifizierung über Western Blot oder indirekten Immunfluoreszenztest notwendig
ist.
Differentialdiagnostisch sind Feline Leukämie und Feline Infektiöse Peritonitis
in Betracht zu ziehen.
Behandlung / Therapie
Eine Therapie zur Heilung von FAIDS gibt es bisher nicht.
Erkrankte Katzen müssen vom Freigang ausgeschlossen werden, um andere Katzen
nicht zu gefährden. Normale soziale Kontakte ohne Beissereien und Rangkämpfe
unter in einem Haushalt zusamenlebenden Katzen führen in der Regel zu keiner
Ansteckung.
Um die Lebensdauer und die Lebensqualität einer erkrankten Katze zu erhöhen,
empfiehlt sich :
- die Behandlung von Sekundärinfektionen, die durch die Immunschwäche
aufgetreten sind
- die Haltung des erkrankten Tieres in möglichst stressfreiem Umfeld
- eine antivirale Chemotherapie, Gabe von Interferon alpha und eine regelmäßige
Überwachung der Blutwerte.
Die Krankheit ist jedoch zum heutigen Zeitpunkt nicht heilbar. Man kann die
Krankheit nur versuchen zu lindern.
Prophylaxe
In Europa gibt es noch keinen Impfstoff gegen FIV. In den
USA hat im Sommer 2002 ein entsprechendes Präparat seine Zulassung bekommen.